Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen

(Stand: Jan 2011. Alle Angaben beruhen auf Erkenntnissen der Botschaft zum Zeitpunkt der Textabfassung. Die Vollständigkeit und Richtigkeit dieser Angaben erfolgt unverbindlich und ohne Gewähr.)


Deutschland und Italien sind enge und wichtige Wirtschaftspartner. Deutschland steht traditionell für Italien sowohl beim Import als auch beim Export an erster Stelle. 12,7% aller Exporte gingen in den ersten 10 Monaten 2010 nach Deutschland, 16,7% aller Importe kamen aus Deutschland. Nach dem Tiefpunkt der Wirtschaftskrise im Oktober 2009 stiegen die italienischen Exporte nach Deutschland um 21,6%, die Importe aus Deutschland um 17,3%. Deutschland erzielte mit Italien in den ersten 10 Monaten 2010 einen Handelsbilanzüberschuss von 11,2 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr könnte der Überschuss das Ergebnis von 2009 (12,5 Mrd. Euro) leicht übertreffen. 2008 lag der Überschuss noch bei 14 Mrd. Euro.

Allgemeine Wirtschaftslage

Nach dem Einbruch des BIPs in den Jahren 2008 (-1,3%) und 2009 (-5,0%) ist Italien auf seinen vorherigen Wachstumspfad mit niedrigen Raten zurück gekehrt. Mit einem erwarteten Wachstum von 1,1% in 2010 und 2011 bleibt Italien allerdings weiter hinter dem europäischen Durchschnitt. Hauptfaktor des Wachstums ist der Außenhandel. Im September 2010 haben die Exporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,3% zugenommen, die Einfuhren um 20,9%.

Bedingt durch die Wirtschaftskrise ist die italienische Schuldenquote von 106,1% des BIPs in 2008 auf 115,8% in 2009 gestiegen. Für 2010 und 2011 wird von der Regierung ein weiterer Anstieg auf 118,5% bzw. 119,5% erwartet. Während der Wirtschaftskrise stieg das Haushaltsdefizit dank einer konsequenten Haushaltspolitik von 2,7% in 2008 auf innerhalb der EU vergleichsweise niedrige 5,3% in 2009. 2010 liegt das Defizit bei ca. 5%. Ende Juli 2010 wurde analog zu anderen EU-Staaten ein Haushaltsspargesetz verabschiedet, das für die Jahre 2011 und 2012 Einsparungen für den Haushalt von insgesamt etwa 25 Mrd. Euro vorsieht. Die EU-Kommission rechnet 2011 mit einem Haushaltsdefizit von 4,3%, 2012 soll das Defizit 3,5% erreichen. Die Regierung erwartet 2012 jedoch eine Unterschreitung der Maastricht-Schwelle.

Die Inflationsrate lag im November 2010 bei 1,7%.

Die langsame Erholung der Wirtschaft bedeutet jedoch noch keine Entspannung für den Arbeitsmarkt. Dieser wird weiterhin spürbar durch Sozialleistungen für Beschäftigte in Kurzarbeit entlastet (2010 im Umfang von 1,2 Mrd. Arbeitsstunden). Viele Arbeitslose melden sich zudem nicht bei der Arbeitsverwaltung an. Die Arbeitslosenquote betrug im im November 8,7%. Norditalien hat mit 5,2% die niedrigste Arbeitslosenquote. In Mittel- (7,0%) und Süditalien (12,1%) liegen die Quoten deutlich höher. Die Beschäftigungsquote lag im 3. Quartal 2010 bei 56,7% (2009: 57,5%, 2008: 58,7%). In Süditalien ist sie mit 43,9% jedoch deutlich niedriger als in Mittel- (61,2%) bzw. Norditalien (64,8%). Im europäischen Vergleich bleibt sie damit niedrig (Deutschland 2009: 70,9%).

Besorgniserregend bleibt die hohe und weiter steigende Jugendarbeitslosigkeit (15-24 Jährige) von 24,7%. Andere Statistiken gehen sogar von über 28%. In Süditalien lag die Quote sogar bei über 35% (bei jungen Männern) bzw. bis zu 40% (bei jungen Frauen).

Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen ist in den letzten Jahren in der Tendenz rückläufig ( 2006: 31,3 Mrd. Euro, 2007: 29,4 Mrd. Euro, 2008: 11,6 Mrd. Euro, 2009: 20,6 Mrd. Euro). Der Bestand ausländischer Direktinvestitionen nahm dementsprechend nur leicht zu (2006: 287,7 Mrd. Euro, 2007: 353,3 Mrd. Euro, 2008: 371,5 Mrd. Euro, 2009: 386,7 Mrd. Euro). Direktinvestitionen wurden 2008 hauptsächlich in den Branchen Handel (47%), Energieproduktion und Verteilung (27,3%), im Finanz- und Versicherungssektor (9,4%) und in Immobilien (6,9%) getätigt. Den größten Anteil am Bestand ausländischer Direktinvestitionen hält Großbritannien (46,3%), gefolgt von Deutschland (26,3%), Frankreich (7,8%) und den Niederlanden (4,1%). Der Schwerpunkt der deutschen Auslandsinvestitionen entfällt eindeutig auf Norditalien.

Schiffscontainer

Außenhandel

Im Außenhandel hatte Italien bis Oktober 2010 ein Handelsbilanzdefizit von 21,2 Mrd. Euro zu verzeichnen. Das Defizit liegt damit deutlich über dem der Vorjahre (2009: 5 Mrd. Euro, 2008: 13 Mrd. Euro). Die wichtigsten Absatzländer italienischer Produkte waren Deutschland (12,7%), Frankreich (11,6%), die USA (5,9%), Spanien (5,7%), Großbritannien (5,1%) und die Schweiz (4,6%). Der stärkste Anstieg des Exportvolumens im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist mit Russland zu verzeichnen, der Gesamtanteil an den italienischen Exporten blieb jedoch noch gering (Wachstum: + 41,2%; Anteil: 2,2%). Ähnliches gilt für die Türkei (+40,6%; 1,9%) und China (+ 33,8%; 2,3%). Wichtigste Ausfuhrgüter waren Maschinen und Geräte, Textilien/Bekleidung samt Accessoires, Metalle und Metallerzeugnisse, Chemie-, Pharma- und Botanikerzeugnisse, Computer/ Elektronik und optische Apparate, Transportmittel, Nahrungsmittelprodukte, Gummi- und Plastikerzeugnisse.

Die meisten Importe kamen aus Deutschland (16,7%), gefolgt von Frankreich (8,9%), China (6,5%), den Niederlanden (5,7%), Spanien (4,4%), Russland (4,1%) und Belgien (4,0%). Der größte Anstieg an Importen ist aus China zu verzeichnen (Wachstum: + 85,2%, Anteil: 6,5%), gefolgt von Indien (+ 71,8%, 1,0%) und Mittelamerika (+54,0%, 2,5%). Wichtigste Einfuhrgüter waren: Rohstoffe, Chemie-, Pharma- und Botanikerzeugnisse, Transportmittel, Computer sowie Geräte aus den Bereichen Elektronik und Optik, Metalle und Metallerzeugnisse, Nahrungsmittel, Textilprodukte und Bekleidung samt Accessoires, Maschinen und Geräte.

Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen

VW-Käfer aus den 60er Jahren

Die Deusch-Italienische Handelskammer

Die Deusch-Italienische Handelskammer vereint mehr als 600 Unternehmen in Deutschland und Italien.

Übersicht über die Wirtschaftslage in Italien