Nardò

Die letzte Station der Veranstaltungsreihe, die die Deutsche Botschaft gemeinsam mit den großen Patronati Italiens aus Anlass des 50. Jahrestages des Anwerbeabkommens durchgeführt hatte, fand am 19. November 2005 in Nardò (Provinz Lecce) in Apulien statt. Auch in Nardò standen unter dem Motto „Ich erinnere mich an den Tag als ich wegfuhr“ die Erlebnisse und Erfahrungen der ehemaligen Migranten im Vordergrund. Berichtet wurde über Reise und Ankunft, über die nicht immer einfachen Arbeits- und Lebensbedingungen, über die Beziehungen zu den Arbeitskollegen, die Wohnverhältnisse und die auch amüsanten Erlebnisse in der Freizeit. Auf besonderes Interesse stießen die Erzählungen eines Ehepaars über ihr kirchliches und gewerkschaftliches Engagement sowie über die Arbeitserfahrungen eines Arbeiters bei der Deutschen Bundesbahn, der nach Nardò zurückgekehrt inzwischen Mitglied des Stadtrats geworden ist und der sich im Auftrag des Bürgermeisters um die Beziehungen zu den aus Nardò ausgewanderten Bürgern kümmert. Besonders beeindruckend war die Schilderung eines Angehörigen der jüngeren Generation, der neben einer Tätigkeit als Arbeiter in einer Schuhfabrik, eine erfolgreiche Ausbildung zum Grafiker absolvierte und inzwischen als selbständiger Grafiker tätig ist. Er wohnt heute in Göppingen, einer Stadt in der Nähe von Stuttgart (Baden Württemberg), in die viele aus Nardò emigriert sind. Ergänzt wurden die Schilderungen der Migranten durch eine im Vorraum aufgebaute Ausstellung mit zahlreichen Fotos und Dokumentationen und einer von der Botschaft und dem Centro Patronati herausgegebenen Broschüre mit Fotos und Lebensläufen.

Grußworte sprachen der Bürgermeister von Nardò, Antonio Vaglio, der Präsident von INAS Cisl und derzeitiger Präsident des Centro Patronati, GianCarlo Panero, der Bischof der Diözöse Nardò – Gallipoli, Domenico Caliandro, der Vizepräsident der Acli, Michele Consiglio, sowie andere Vertreter öffentlicher Institutionen. Der deutsche Botschafter würdigte in seiner Ansprache die Erfolgsgeschichte der italienischen Migranten in Deutschland als gelungenes Beispiel europäischer Integration, die Deutschland verändert habe und ein wichtiges Element der deutschen Sozialgeschichte und Kultur geworden sei. Er bedankte sich ausdrücklich für die großartige Leistung der italienischen Migranten für den wirtschaftlichen Aufbau Nachkriegs-Deutschlands. Die Veranstaltung, die durch Klavierbeiträge des über Italiens Grenzen bekannten Pianisten Francesco Nipetta unterbrochen wurde, fand im schön restaurierten Gewölbesaal des Bistums statt, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Erfreulich war, dass zahlreiche Vertreter der jüngeren Generation aus Nardò teilnahmen. Die Veranstaltung endete mit einem Buffet, zu dem die Stadt Nardò eingeladen hatte.